Archiv für Januar 2011

Nicht unser Bier!

oder warum „Biertras“ nicht rockt.

„Ich bin ein Skinhead und liebe meine Heimat. Ich bin ein Hooligan und lebe es mit Wort und Tat“ schallt es im Lied mit dem Titel „Erzgebirge“1 der „unpolitischen“ Band „Biertras“ aus Geyer. Weiter geht es mit „Wir hausen hier im Erzgebige und darauf sind wir stolz ….Erzgebirge mein Vaterland, denn hier bin ich daheim. Ich möchte immer bei dir sein“ Über 100 Jahre zuvor, als der Chauvinist Anton Günther seine Heimatliebe von sich gab, klang das noch so: „onnrer alten deitschen Haamit gilt der letzte Troppen Blut. Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei, weil mer Arzgebirger sei!“
Lokalpatriotismus und Deutschtümelei par excellence. Ein Beispiel weshalb sich die Oi!-Band politisch zwischen rechtsoffener Grauzone und den offenem rechten Spektrum bewegt. Bildet sich doch dadurch eine weitere Schnittstelle zu nationalistischer Ideologie. Muikalisch beschreiben sie Ihren Sound frei nach der Rechtsrockband „Endstufe“ als „Skinhead Rock & Roll“. In Anlehnung an die Bezeichnung „Ultras“ aus der Fußballszene, bezeichnen sich die Bandmitglieder als „Biertras“ – wegen des Bierkonsums – versicherten sie in einem Interview.2 Man(n) trinkt ja gern!

Einblicke

Neben diversen Auftritten im Ratskeller von Geyer spielte die Band unter anderem auf dem „Sauberg Open Air“ im nahe gelegenen Ehrenfriedersdorf. Außerdem spielten „Biertras“ am 19.12.2009 in Niesky zusammen mit „Durstige Nachbarn“ und „Querschlaeger“ unter dem Motto „Ostrock Party“. Am 13.3.2010 zusammen mit der rechtsoffenen Band „Gerbenok“ und „Krampf-Kampf“ in Zeitz und zusammen mit „Lammkotze“ am 11.06.2010 erneut in Niesky.
Gemeinsame Auftritte gab es auch immer wieder mit der „Böhse Onkelz“ Coverband „Engel in Zivil“. Zuletzt am 27.12.2010 wieder im Ratskeller Geyer. Zur „großen Jahresabschlussparty“ von „Engel in Zivil“. Auch bei der „Grosse(n) Benefiz Rock Night“ zugunsten der Kintertagesstätten in Geyer und Herold sowie des SOS Kinderdorf e.V. spielten „Biertras“ neben „Engel in Zivil“ auf.
Ihr Debut Album „Doppelgänger“ erschien unter dem Grauzone Label „KB Records“. Es ist aber auch bei kommerziellen Versänden wie dem „EMP“ erhältlich.
Wie in einem Beitrag auf Oire-Szene berichtet wurde, zeigt ein Blick in die Myspacefreundesliste, dass neben der versammelten Grauzone („Krawallbrüder“, „Gonads“, „Riot Company“, „Bakers Dozen“ (RAC), „Stahlwerkzine“, „Lammkotze“, „Suspekt“, „Unantastbar“, „Randale Records“, „Dolly D“, „Die Jungz“, „Stomper 98″, „Cotze Skinheadrock“, „Roughnecks“ u.v.m.), auch eindeutig neonazistische Bands, Läden und Einzelpersonen zufinden sind.

Schadensbegrenzung?

Nachdem Anfang März 2010 auf „Oire-Szene“ kritisch berichtet wurde, tauchte dann auf dem Flyer zur Record Release Party das Logo „Love Music Hate Fascism“ auf. Wohl eher um weiteren unbequemen Fragen aus dem Weg zu gehen. Denn auf die Kritik von „Oire-Szene“ reagierte die Band aus Geyer, inklusive einer vermeintlichen Distanzierung in totalitärer Manier so: „werdet am besteb Emo´s oder sowas… Da könnt ihr den ganzen Tag heulen!“(Fehler im Orig.)

Infokollektiv G3

  1. http://www.myspace.com/biertras/music/songs/-Demo-Erzgebirge-61253627 [zurück]
  2. http://www.youtube.com/watch?v=hGB1FXFx-G4 [zurück]