Neonazis fordern Freiheit für NS-Kriegsverbrecher.

Solidarität mit Priebke

Von Anton Maegerle

Unter dem Motto „Freiheit für Erich Priebke“ soll am 12. November 2011 ein so genanntes Solidaritätskonzert in Ostsachsen stattfinden. Für Rechtsextremisten ist der NS-Kriegsverbrecher Priebke ein „der Siegerwillkür zum Opfer gefallener deutscher Märtyrer“.

Angekündigt zu dem Konzert sind die einschlägigen Bands „Bunker 16“, „Words of Anger“ und „Die Lunikoff Verschwörung“. In dem Lied „Wehrmachtssoldat“ der aus Bremen stammenden Band „Bunker 16“ heißt es: „Dein Krieg ging nicht wie heute nur um das Öl der Welt. Gekämpft hast du für Volk und Familie und starbst als großer Held. Der Tag der Rache er kommt und der Wind wendet sich. Dein alter Geist wird erwachen und auch der letzte wird’s dann sehen“.

„Words of Anger“ aus dem Raum Ostholstein spielte unter anderem beim „10. Thüringentag der nationalen Jugend“ am 4. Juni in Sondershausen auf. „Die Lunikoff-Verschwörung“ des ehemaligen „Landser“-Sängers Michael Regener (alias Lunikoff), zählt zum Kern der rechtsextremen Band-Szene Berlins.

Geworben wird für die Veranstaltung auf einer eigenen Homepage. Das Impressum weist Henrik O. (Bremen), vormals Geschäftsführer des Deutsche Stimme-Verlags der NPD, als Verantwortlichen aus. O. war früher unter anderem im Umfeld der zwischenzeitlich verbotenen Neonazi-Gruppen Nationalistische Front (NF) und Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) aktiv.

„Unvergessener Kamerad“

Ex-SS-Hauptsturmführer Priebke (Jg. 1913), der „aus Überzeugung“ der NSDAP als Mitglied angehörte, war 1944 an der Ermordung von 335 italienischen Zivilisten in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom beteiligt. 1948 setzte sich Priebke mit Hilfe des Vatikan-Geistlichen Alois Hudal, dessen „Hilfsbereitschaft“ gegenüber NS-Kriegsverbrechern er als „wahrhaft unerschöpflich“ bezeichnet, ins argentinische Bariloche ab. 1995 wurde Priebke nach Italien überstellt und 1998 zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Haftstrafe wurde wegen des hohen Alters von Priebke zwischenzeitlich in einen lockeren Hausarrest umgewandelt.

Priebke selbst meldet sich immer wieder in rechtsextremen Blättern zu Wort, so im NPD-Parteiorgan „Deutsche Stimme“, in den „Nachrichten“ der mittlerweile verbotenen „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene“ (HNG) oder der „National-Zeitung“ und steht für Interviews zur Verfügung, wie in der Postille „Volk in Bewegung“. „Kamerad, du bist nicht vergessen!“ rief die Waffen-SS-treue Monatszeitschrift „Der Freiwillige“ ihrem Abonnenten Priebke zu.

2007 überreichte der Rechtsextremist Rolf Kosiek, einst NPD-Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg, Priebke die von der „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GFP) verliehene Ulrich-von-Hutten-Medaille.

Quelle: bnr