„White Resistance“ – aus den Bergen

aktualisiert am 26.12.2011

Durch die aktuellen Geschehnisse rund um die Zwickauer Nazi-Terrorzelle, die sich selbst als „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) bezeichnet, kam es in den Medien gelegentlich zum Vergleich zwischen dem bewaffneten Arm „Combat 18“ des britischen „Blood & Honour“ Netzwerkes und des NSU. Bekannt wurde auch, dass die beiden Naziterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in den 90ziger Jahren „Blood & Honour“-Konzerte organisiert haben und auch danach während Ihrer Zeit im Untergrund durch Einnahmen von mutmaßlichen „Blood & Honour“-Veranstaltungen unterstützt wurden. Eine Band aus dem Spektrum der verbotenen „Blood & Honour Division Deutschland“ ist „White Resistance“ – „Weißer Widerstand“ (Westerzgebirge/Kreis Zwickau) die eben in diesem Netzwerk, welches die Nazi-Terrorzelle unterstützt haben soll, nach wie vor aktiv ist.

Rückblick

„Blood and Honour“ (Blut und Ehre) wurde einst gegründet von Ian Stuart Donaldson (Sänger der britischen Naziband „Skrewdriver“) um neonazistische Bands zu koordinieren und die NS-Ideologie primär über die Musik zu verbreiten. Die deutsche Division samt Jugendorganisation „White Youth“ wurde im September 2000 verboten. Trotz dessen ist sie unter dem neuen Namen „Division 28“ weiterhin aktiv. Aufgrund der Fortführung dieser verbotenen Vereinigung führte die Staatsanwaltschaft Dresden Anfang 2006 ein „komplexes Strukturverfahren gem. § 85 StGB“ 1So kam es, dass auf dem Rückweg von einem „Blood & Honour“-Konzert in London die Band am Flughafen Altenburg-Nobitz von Beamten der Bundespolizei Leipzig und Staatsschützern des Landeskriminalamt Sachsen durchsucht wurden. Brisant: die Bandmitglieder sowie weitere vier mitgereiste Personen sind auch wegen der gefunden und beschlagnahmten Utensilien dem Netzwerk von „Blood & Honour“ bzw. deren Umfeld zuzurechnen. Konfisziert wurden im Zuge der Polizeiaktion damals auch die Musikinstrumente von „White Resistance“.2 Ein weiteres Konzert der Band wurde am 17. Juni 2006 durch die Polizei im erzgebirgischen Oelsnitz verhindert. Im Anschluss wurde damals dann auch die „Szene Party ohne Livemusik“ wegen „Sieg Heil Rufen“ aufgelöst. Im selben Veranstaltungsraum spielte damals auch „Blitzkrieg“ aus Chemnitz.

Im Netzwerk

Ganz anders hingegen verlief ein angemeldetes Konzert am 16. Juli diesen Jahres mit dem Namen: „Die Transatlantiklinie. Amerika – England – Deutschland“3. Ungestört konnte die Veranstaltung mit anderen Bands, die dem „Blood & Honour“-Spektrum zugerechnet werden können, stattfinden. Ein weiterer Beleg für die „Blood & Honour“ Zugehörigkeit ist die Teilnahme der Band bei einem Konzert in Belgien am 18. Oktober 2008.4 Dass bestehende Nazistrukturen eine aktive und selbstbewusste Szene ermöglichen, zeigte sich im Jahr 2010 in Annaberg-Buchholz. Am 13. März 2010 fand ein Konzert mit „White Resistance“, „Sachsenblut“, „Aryan Hope“, „Inkubation“ und „Last Pride“ vor ca.150 BesucherInnen statt.5 Dieses war eines von mindestens neun Rechtsrock/NSBM-Konzerten im Erzgebirgskreis. Ein Teil der Konzerte ging im „Gleis 3“ über die Bühne. Dass das Zeigen des Hitlergrußes substanziell ist, zeigt ein Video der Band, welches neben „youtube“ auch auf „last-fm“ hochgeladen wurde und immer noch eingesehen werden kann.6

Das Label

Das Album „We defend…“ von „White Resistance“ wurde beim aktivsten und umsatzstärksten Label der Republik veröffentlicht: „PC Records“ aus Chemnitz. Betreiber ist Yves Rahmel, der ebenfalls bundesweit Neonazi-Veranstaltungen wie das „Fest der Völker“ finanziert. Rahmel war früher schon in der „Blood & Honour“ nahestehenden Gruppierung „CC 88“ (CC für „Chemnitz Concerts“, 88 für „Heil Hitler“) aktiv. „CC 88“ organisierte rechte Skinhead-Konzerte.7 Im Juli 2010 ließ das sächsische Landeskriminalamt eine CD von „PC Records“ indizieren, auf der sich ein „Döner-Killer“-Song, der die Mordserie an neun Unternehmern mit Migrationshintergrund besungen wird, befand. Das LKA hatte kurz darauf bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien die Indizierung der CD beantragt, „weil sie den Rassenhass anreizt“. Zwei Monate danach kam die Scheibe auf den Index. Der Song „Döner-Killer“ wurde jedoch nicht bemängelt, sondern drei andere Lieder. Seither laufen Strafverfahren gegen Rahmel und weitere Versandhändler der CD.8

Die Einbindung ins deutsche und europäische „Blood & Honour“-Netzwerk, die nicht indizierte Musik sowie die Unterstützung durch „PC Records“ erleichtern ein Fortbestehen der Band. Ein ungestörtes Fortbestehen könnte somit auch neue Naziterroristen unterstützen.

Infokollektiv G3 Dezember 2011

  1. www.polizei.sachsen.de/lka/3272.htm [zurück]
  2. www.redok.de/content/view/496/38/ [zurück]
  3. Der Rechte Rand Nr. 132 [zurück]
  4. www.fightfascism.wordpress.com/2008/09/30/zahlreiche-neonazi-konzerte-zu-ehren-des-bh-grunder-ian-stuar-donaldson/ [zurück]
  5. Anfrage der Abgeordneten Kerstin Köditz, Fraktion DIE LINKE DRS.-Nr.: 5/4602 Thema Rechte Konzerte in Sachsen im Jahr 2010 [zurück]
  6. www.lastfm.de/music/White+Resistance/+videos/+1-up1N58zsGHU zuletzt eingesehen am 29.11. 2011 Kopie liegt vor [zurück]
  7. www.venceremos.sytes.net/artdd/artikel/cog/thomas-ace-gerlach-fuehrender-neonazi-und-nsu-helfer.html [zurück]
  8. www.sz-online.de/Nachrichten/Chemnitz/Uebersah_Sachsens_LKA_Hinweis_auf_rechte_Moerder/articleid-2915832 [zurück]