Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Nazis im Erzgebirge? Kein neues Problem. Erinnerung an eine antifaschistische Kaffefahrt 2005

Aufgrund der aktuellen Medienpräsenz des selbsternannten „Nationalsozialistischen Untergrundes“ ist es dem einen oder der anderen vielleicht wieder etwas bewusster: Ja, es gibt Nazistrukturen im Erzgebirge. Doch das ist nicht neu! Schon 2005 wurde durch die Kampagne „Schöner Leben ohne Naziläden“ darauf aufmerksam gemacht. In unserem Archiv befindet sich ein ausführlicher Reisebericht samt Fotos einer im Rahmen dieser Kampagne veranstalteten antifaschistischen Kaffeefahrt durchs faschistische Erzgebirge.

von venceremos

Nazischädel, NVA-Jacken, Küsse und Runenklänge

Die Band Death in June tritt halbwegs heimlich in Sachsens Hauptstadt auf

erschienen am 19.12.2011 in der Freien Presse ( Von Tim Hofmann )

Dresden. Wie viele Nazis erkennt man noch am Musikgeschmack? Mag sein, da sind Fans dieser Rechtsrock-Bands aus Fernseh-Reportagen, die auf Geheimkonzerten üble Texte brüllen und jämmerlich schlechten Punkrock schrammeln. 100.000 NPD-Wähler gibt es in Sachsen- nur ein sehr geringer Teil davon dürfte diese Klänge wirklich antun.

Der gemeine Nazi-Sympathisant hört mit Sicherheit also einfach dort mit, wo die breite Masse sich vergnügt. Und wer tiefer will, findet in Subkulturen diesbezüglich eine Grauzone. Bei André E. etwa, verhafteter Nazi-Terrorverdächtiger aus Zwickau, klebte auf der Autoheckscheibe der Schriftzug der Schweizer Pagan-Metaller Eluveitie, die keltische Folklore mit Rock kreuzen: Die Band ist weit weniger verdächtig als die Böhsen Onkelz, bietet aber wie diese kompatibles Flair. Auch in der Gothic-Szene gibt es Gruppen, die sich in einer eigenen Blase eingerichtet haben, wo kunstvoll Grenzen verwischt werden, um sich dem Diktat üblicher Gesellschafts-Stereotypen zu entziehen. Bilderbuch-Beispiel ist die britische Band Death in June, die am Freitagabend in Dresden konzertierte. Und zwar halbwegs geheim: Keine Abendkasse, Karten nur auf Internet-Vorbestellung, der Veranstaltungsort kam per SMS. Doch es war nur die Reithalle – der übliche Ort für Gothic-Events. (mehr…)

„White Resistance“ – aus den Bergen

aktualisiert am 26.12.2011

Durch die aktuellen Geschehnisse rund um die Zwickauer Nazi-Terrorzelle, die sich selbst als „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) bezeichnet, kam es in den Medien gelegentlich zum Vergleich zwischen dem bewaffneten Arm „Combat 18“ des britischen „Blood & Honour“ Netzwerkes und des NSU. Bekannt wurde auch, dass die beiden Naziterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in den 90ziger Jahren „Blood & Honour“-Konzerte organisiert haben und auch danach während Ihrer Zeit im Untergrund durch Einnahmen von mutmaßlichen „Blood & Honour“-Veranstaltungen unterstützt wurden. Eine Band aus dem Spektrum der verbotenen „Blood & Honour Division Deutschland“ ist „White Resistance“ – „Weißer Widerstand“ (Westerzgebirge/Kreis Zwickau) die eben in diesem Netzwerk, welches die Nazi-Terrorzelle unterstützt haben soll, nach wie vor aktiv ist.

Rückblick

„Blood and Honour“ (Blut und Ehre) wurde einst gegründet von Ian Stuart Donaldson (Sänger der britischen Naziband „Skrewdriver“) um neonazistische Bands zu koordinieren und die NS-Ideologie primär über die Musik zu verbreiten. Die deutsche Division samt Jugendorganisation „White Youth“ wurde im September 2000 verboten. Trotz dessen ist sie unter dem neuen Namen „Division 28“ weiterhin aktiv. Aufgrund der Fortführung dieser verbotenen Vereinigung führte die Staatsanwaltschaft Dresden Anfang 2006 ein „komplexes Strukturverfahren gem. § 85 StGB“ 1So kam es, dass auf dem Rückweg von einem „Blood & Honour“-Konzert in London die Band am Flughafen Altenburg-Nobitz von Beamten der Bundespolizei Leipzig und Staatsschützern des Landeskriminalamt Sachsen durchsucht wurden. Brisant: die Bandmitglieder sowie weitere vier mitgereiste Personen sind auch wegen der gefunden und beschlagnahmten Utensilien dem Netzwerk von „Blood & Honour“ bzw. deren Umfeld zuzurechnen. Konfisziert wurden im Zuge der Polizeiaktion damals auch die Musikinstrumente von „White Resistance“.2 Ein weiteres Konzert der Band wurde am 17. Juni 2006 durch die Polizei im erzgebirgischen Oelsnitz verhindert. Im Anschluss wurde damals dann auch die „Szene Party ohne Livemusik“ wegen „Sieg Heil Rufen“ aufgelöst. Im selben Veranstaltungsraum spielte damals auch „Blitzkrieg“ aus Chemnitz.

Im Netzwerk

Ganz anders hingegen verlief ein angemeldetes Konzert am 16. Juli diesen Jahres mit dem Namen: „Die Transatlantiklinie. Amerika – England – Deutschland“3. Ungestört konnte die Veranstaltung mit anderen Bands, die dem „Blood & Honour“-Spektrum zugerechnet werden können, stattfinden. Ein weiterer Beleg für die „Blood & Honour“ Zugehörigkeit ist die Teilnahme der Band bei einem Konzert in Belgien am 18. Oktober 2008.4 Dass bestehende Nazistrukturen eine aktive und selbstbewusste Szene ermöglichen, zeigte sich im Jahr 2010 in Annaberg-Buchholz. Am 13. März 2010 fand ein Konzert mit „White Resistance“, „Sachsenblut“, „Aryan Hope“, „Inkubation“ und „Last Pride“ vor ca.150 BesucherInnen statt.5 Dieses war eines von mindestens neun Rechtsrock/NSBM-Konzerten im Erzgebirgskreis. Ein Teil der Konzerte ging im „Gleis 3“ über die Bühne. Dass das Zeigen des Hitlergrußes substanziell ist, zeigt ein Video der Band, welches neben „youtube“ auch auf „last-fm“ hochgeladen wurde und immer noch eingesehen werden kann.6

Das Label

Das Album „We defend…“ von „White Resistance“ wurde beim aktivsten und umsatzstärksten Label der Republik veröffentlicht: „PC Records“ aus Chemnitz. Betreiber ist Yves Rahmel, der ebenfalls bundesweit Neonazi-Veranstaltungen wie das „Fest der Völker“ finanziert. Rahmel war früher schon in der „Blood & Honour“ nahestehenden Gruppierung „CC 88“ (CC für „Chemnitz Concerts“, 88 für „Heil Hitler“) aktiv. „CC 88“ organisierte rechte Skinhead-Konzerte.7 Im Juli 2010 ließ das sächsische Landeskriminalamt eine CD von „PC Records“ indizieren, auf der sich ein „Döner-Killer“-Song, der die Mordserie an neun Unternehmern mit Migrationshintergrund besungen wird, befand. Das LKA hatte kurz darauf bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien die Indizierung der CD beantragt, „weil sie den Rassenhass anreizt“. Zwei Monate danach kam die Scheibe auf den Index. Der Song „Döner-Killer“ wurde jedoch nicht bemängelt, sondern drei andere Lieder. Seither laufen Strafverfahren gegen Rahmel und weitere Versandhändler der CD.8

Die Einbindung ins deutsche und europäische „Blood & Honour“-Netzwerk, die nicht indizierte Musik sowie die Unterstützung durch „PC Records“ erleichtern ein Fortbestehen der Band. Ein ungestörtes Fortbestehen könnte somit auch neue Naziterroristen unterstützen.

Infokollektiv G3 Dezember 2011

  1. www.polizei.sachsen.de/lka/3272.htm [zurück]
  2. www.redok.de/content/view/496/38/ [zurück]
  3. Der Rechte Rand Nr. 132 [zurück]
  4. www.fightfascism.wordpress.com/2008/09/30/zahlreiche-neonazi-konzerte-zu-ehren-des-bh-grunder-ian-stuar-donaldson/ [zurück]
  5. Anfrage der Abgeordneten Kerstin Köditz, Fraktion DIE LINKE DRS.-Nr.: 5/4602 Thema Rechte Konzerte in Sachsen im Jahr 2010 [zurück]
  6. www.lastfm.de/music/White+Resistance/+videos/+1-up1N58zsGHU zuletzt eingesehen am 29.11. 2011 Kopie liegt vor [zurück]
  7. www.venceremos.sytes.net/artdd/artikel/cog/thomas-ace-gerlach-fuehrender-neonazi-und-nsu-helfer.html [zurück]
  8. www.sz-online.de/Nachrichten/Chemnitz/Uebersah_Sachsens_LKA_Hinweis_auf_rechte_Moerder/articleid-2915832 [zurück]

Neonazis fordern Freiheit für NS-Kriegsverbrecher.

Solidarität mit Priebke

Von Anton Maegerle

Unter dem Motto „Freiheit für Erich Priebke“ soll am 12. November 2011 ein so genanntes Solidaritätskonzert in Ostsachsen stattfinden. Für Rechtsextremisten ist der NS-Kriegsverbrecher Priebke ein „der Siegerwillkür zum Opfer gefallener deutscher Märtyrer“.

Angekündigt zu dem Konzert sind die einschlägigen Bands „Bunker 16“, „Words of Anger“ und „Die Lunikoff Verschwörung“. In dem Lied „Wehrmachtssoldat“ der aus Bremen stammenden Band „Bunker 16“ heißt es: „Dein Krieg ging nicht wie heute nur um das Öl der Welt. Gekämpft hast du für Volk und Familie und starbst als großer Held. Der Tag der Rache er kommt und der Wind wendet sich. Dein alter Geist wird erwachen und auch der letzte wird’s dann sehen“.

„Words of Anger“ aus dem Raum Ostholstein spielte unter anderem beim „10. Thüringentag der nationalen Jugend“ am 4. Juni in Sondershausen auf. „Die Lunikoff-Verschwörung“ des ehemaligen „Landser“-Sängers Michael Regener (alias Lunikoff), zählt zum Kern der rechtsextremen Band-Szene Berlins.

Geworben wird für die Veranstaltung auf einer eigenen Homepage. Das Impressum weist Henrik O. (Bremen), vormals Geschäftsführer des Deutsche Stimme-Verlags der NPD, als Verantwortlichen aus. O. war früher unter anderem im Umfeld der zwischenzeitlich verbotenen Neonazi-Gruppen Nationalistische Front (NF) und Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) aktiv.

„Unvergessener Kamerad“

Ex-SS-Hauptsturmführer Priebke (Jg. 1913), der „aus Überzeugung“ der NSDAP als Mitglied angehörte, war 1944 an der Ermordung von 335 italienischen Zivilisten in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom beteiligt. 1948 setzte sich Priebke mit Hilfe des Vatikan-Geistlichen Alois Hudal, dessen „Hilfsbereitschaft“ gegenüber NS-Kriegsverbrechern er als „wahrhaft unerschöpflich“ bezeichnet, ins argentinische Bariloche ab. 1995 wurde Priebke nach Italien überstellt und 1998 zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Haftstrafe wurde wegen des hohen Alters von Priebke zwischenzeitlich in einen lockeren Hausarrest umgewandelt.

Priebke selbst meldet sich immer wieder in rechtsextremen Blättern zu Wort, so im NPD-Parteiorgan „Deutsche Stimme“, in den „Nachrichten“ der mittlerweile verbotenen „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene“ (HNG) oder der „National-Zeitung“ und steht für Interviews zur Verfügung, wie in der Postille „Volk in Bewegung“. „Kamerad, du bist nicht vergessen!“ rief die Waffen-SS-treue Monatszeitschrift „Der Freiwillige“ ihrem Abonnenten Priebke zu.

2007 überreichte der Rechtsextremist Rolf Kosiek, einst NPD-Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg, Priebke die von der „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GFP) verliehene Ulrich-von-Hutten-Medaille.

Quelle: bnr

Erneutes Konzert der extremen Rechten in Rothenburg / O.L.

Für den 3.September 2011 wird in diversen Foren ein NS-Black Metal-Konzert mit den Bands „Racial Purity“ (D), „Dark Fury“ (Polen), „Permafrost“ (D), „Nordglanz“ (D) und „Mogon“ (D) unter dem Titel „Slavonic Thunder in Germania“ angekündigt. Austragungsort ist die ehemalige Gaststätte „Zur Deutschen Eiche“ im Rothenburger Ortsteil Geheege (Ostsachsen).

Damit entwickelt sich Ostsachsen weiter zu einer Region, in der am häufigsten Konzerte der extremen Rechten stattfinden. Im Jahre 2011 fanden in Geheege zehn Konzerte dieser Art statt, ein weiteres wurde durch die Polizei unterbunden. [1] „Racial Purity“, übersetzt “Rassische Einheit”, ist eine Band aus Dresden und spielte bereits bei etlichen Veranstaltungen der extremen Rechten.

Die polnische Band „Dark Fury“ spielt nationalsozialistischen Black Metal und wir als Headliner des Konzertes gesehen. In einem Interview sagten sie sinngemäß über sich selbst: „Wir stehen für Rassismus und Nationalsozialismus und wollen diese Ideologie über die Musik verbreiten.“[2] Die 2003 gegründete Band „Permafrost“ aus Sachsen-Anhalt veröffentlichte

2007 auf der CD mit dem Titel „Live in Zeitz“ Coverversionen von Liedern der neonazistischen Musikgruppen „Absurd“ (Liedtitel: „Colours of Autum“ und „Der große Tod“), “Tonstörung” (Liedtitel: “Blut muss fließen” (BMF)) und „Die Lunikoff-Verschwörung“ bzw. „Landser“ (Liedtitel: „Lenker der Schlachten“). [3]

Nordglanz ist eine aus dem Rechtsrock-Umfeld stammende Black-Metal-Band aus Frankfurt am Main, die der nationalsozialistischen Black-Metal-Szene zuzurechnen ist. Der Verfassungsschutz Hessens bezeichnet die Band im Verfassungsschutzbericht von 2006 als rechtsextreme Skinhead-Band. [4] Bei der relativ neuen Band „Mogon“ aus Brandenburg handelt es sich um ein Projekt des Sänger der deutschen Rock-against-Communism-Band „Wolfskraft“, so das Internetportal fightfascism.wordpress.com.

Von Seiten der Politik ist wenig zu erwarten. Zwar äußerte die Nieskyer Landtagsabgeordnete Kathrin Kagelmann (Linksfraktion) „Es greift viel zu kurz, nur mit ordnungsrechtlichen Maßnahmen auf rechtsextremistische Veranstaltungen zu reagieren.“ [5], dass dies der zuständige Landrat Lange (CDU) jedoch ernst nimmt, kann bezweifelt werden. Lange hatte als Vertreter des Gesellschafters, des Landkreises Görlitz, dem Bündnis „Bunter Schall als Widerhall“ den Zutritt zur kreiseigenen Feriengesellschaft verweigert. Dort sollten Protestaktionen gegen das „Deutschen Stimme Pressefestes“ stattfinden.

Quellen:

[1] DRS. 5/4602 Kleine Anfrage im Sächsischen Landtag von MdL Kerstin Köditz

[2] https://breidablik-zine.narod.ru/interviews/dark_fury.html

[3] https://fightfascism.wordpress.com/2007/04/29/permafrost-d-bandbeschreibung/

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Nordglanz

[5] http://portal.dielinke-in-sachsen.de/fraktiongoerlitz.asp?iid=2843&mid=239&uid=0

Quelle: Antifa-Portal der LINKEN. Sachsen

Rechte Konzerte in Sachsen 2010

Wir dokumentieren aus der kleinen Anfrage der Abgeordneten Kerstin Köditz, Fraktion DIE LINKE DRS.-Nr.: 5/4602 Thema Rechte Konzerte in Sachsen im Jahr 2010

09. Januar 2010 Annaberg-Buchholz Konzert (im „Gleis 3″) mit „Leichenzug“ und „Magog“

30. Januar 2010 Erzgebirge
Konzert mit „Blitzkrieg“, „Heiliger Krieg“, „Radikahl“, „Last Pride“ und „Absurd“

06. März 2010 Auerbach/Erz. Auftritt des Liedermachers „Flex“ nach Vortragsveranstaltung des NPD KV Erzgebirge BesucherInnen ca. 25

13. März 2010 Annaberg-Buchholz Konzert mit „Sachsenblut“, „Aryan Hope“, „White Resistance“, „Inkubation“ und „Last Pride“ ca.150 BesucherInnen

24. April 2010 Zwickau Konzert mit zwei Bands und ca. 150 BesucherInnen

08. Mai 2010 Annaberg-Buchholz Konzert mit „Inkubation“, „12 Golden Years“, „Sturmkrieger“ und Anderen wurde durch die Polizei verhindert

29. Mai 2010 Annaberg-Buchholz Konzert(im „Gleis 3″) mit „Isofur“, „Endzeit“ bzw. „Totenburg“, „Heldgard“ und „Stolthet“ wurde durch die Polizei verhindert

29. Mai 2010 Zwickau Konzert mit „Totenburg“

24. Juli 2010 Erzgebirge Konzert mit „Ohne Worte“, „Sachsenblut“ und „Donars Groll“ ca. 80 BesucherInnen Veranstalter „Bootboys Sachsenring“

11. Dezember 2010 Zwickau Konzert mit „Blitzkrieg“ und weiteren Bands wurde verhindert

Ergänzung zum Artikel: Heidentum und nordische Mythologie…

Portät der Naziband „T.H.O.R.“

Folgende Foto`s von „T.H.O.R.“ sind vom „Rock für Deutschland“ 2003 in Gera.

Naziband \"T.H.O.R.\" beim \"Rock für Deutschland\" 2003

Naziband \"T.H.O.R.\" beim \"Rock für Deutschland\" 2003

Merchandise der Naziband \"T.H.O.R.\" beim \"Rock für Deutschland\" 2003

Bildquelle: Magazin Der Rechte Rand / www.der-rechte-rand.de

Heidentum und nordische Mythologie

Portät der Naziband „T.H.O.R.“

input

Auf dem Cover der ausverkauften CD „Vergeltung“ sieht mensch auf der Vorderseite einen kämpfenden Wikinger mit blutigem Schwert neben gekreuzigten Menschen und einer brennenden Kirche im Hintergrund. Üblich für Bands aus dem Genre NSBM. Erschienen war die CD im Label „PC-Records“ aus Chemnitz.“PC-Records“ (Inhaber Yves Rahmel) gilt laut dem brandenburgischen Verfassungsschutz (2009), als „tonangebend“ in der Produktion und dem Vertrieb von rechten Tonträgern. Die vier abgekürzten Buchstaben stehen für Wesen oder Gegenstände aus der sogenannten nordischen Mythologie. Der Gründung (vermutlich 2003) der Band „T.H.O.R.“ aus dem westsächsischem Schneeberg sind diverse Neugründungen, Umbesetzungen, Umbenennungen und Auflösungen vorausgegangen. So spielte der Kopf und Sänger der Band Andreas Schwach ebenso in Bands wie „Bloodbrain“, „Demoniac“, „Andras“, „Excrement Terror“, „Massenmörder“ und „Arkham“.1 Bands aus dem Spektrum NS-Black Metal und Satanismus. Durch diesen ständigen Wechsel oder der Neuausrichtung einer dieser Bands entstanden auch die Kontakte zu anderen NSBM-Bands/Mitgliedern aus der Region wie „Nachtfalke“ bzw. Tino Mothes alias „Occulta Mors“. Nach eigenen Angaben pflegt Schwach auch gute Kontakte zur NSBM-Band „Eugenik“ aus Gera.2

In einem Interview bezeichneten sie ihre Musik als „Viking Metal“. „Unser Anliegen besteht darin unserem Hörer die Lebensweisen, Bräuche und das Gedankengut der Heiden zu vermitteln“ heißt es weiter. Auf die Frage „Welche Organisationen haltet ihr für unterstützenswert, und was haltet ihr von der Artgemeinschaft GGG (Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e.V.) ?“ antworteten sie: „Prinzipiell halten wir jede Organisation, welche bestrebt ist die alten Werte zu vermitteln, für unterstützungswert!“3 Neben dem Projekt „T.H.O.R.“ betreibt Andreas Schwach noch den Naziladen „Sonnentanz“ auf der Goethestraße 18 in Aue.4 Dieser wurde erst im März letzen Jahres im Inneren renoviert und steht in seiner Veralltäglichung der Kundschaft weiter offen.

output

Ende 2005 erschien der Sampler „Absurd. Tribute to the Tyranns of german Black Metal“. Auch dabei ist „T.H.O.R.“5 mit dem Lied „Wenn Walküren Reiten“. Auf der Compilation „Germania Incognita Kulturkampf“ sind sie ebenfalls vertreten.6 Auf der Schulhof-CD „Heimat ist auch Jugendsache“ der „Aktivistengruppe AG-Wiking“ aus Wilhelmshaven ist die Band mit dem Lied „Wikinger“ zu hören.7 Neben der bereits erwähnten CD „Vergeltung“ sind „T.H.O.R.“ noch auf einer Gemeinschaftsproduktion mit Rechtsrockband „Aufbruch“ vertreten.8

Wie gut die Band in lokalen Strukturen vernetzt ist, zeigte sich am 13. Februar 2010. Da spielte „T.H.O.R.“ gemeinsam mit „Assfist“ im Annaberger „Gleis 3″ als Aftershowact nach dem völkischen Trauermarsch in Dresden.9 Überregional traten „T.H.O.R.“ z.B. im Frühjahr 2005 mit den NSBM Bands „Forgotten Darkness“ und „Nokturnal Mortum“ aus der Ukraine auf.10 Auf dem „Rock gegen Krieg“ bzw. „Rock für Deutschland“ trat am 21. Juni 2003 in Gera ebenfalls „T.H.O.R.“ auf.11 Ein Jahr später zum 2. „Rock für Deutschland“ sollte „T.H.O.R.“ erneut aufspielen.


Bild: Andreas Schwach12

Mittlerweile scheint die Band in ihrer jetzigen Struktur gefestigt zu sein. Auch wenn „T.H.O.R.“ nicht zu den aktivsten und beliebtesten Nazibands der Republik gehört, bieten sie mit ihrer Musik und Konzerten vor allem in ihrer Region eine Identität stiftende Erlebniswelt und binden somit erlebnisorientierte rechte und rechtsoffene Jugendliche fester an die bestehende Nazi- bzw. NSBM-Szene.

Infokollektiv G3

  1. www.metal-archives.com/band.php?id=3540286755 [zurück]
  2. http://aawe.blogsport.de/2008/08/12/azsagas-dem-gretel-sags-dem-hansaaoe/ [zurück]
  3. www.aryanmusic.net/e107_plugins/content/content.php?content.172 [zurück]
  4. http://aawe.blogsport.de/2010/03/28/nazilaeden-weg/ [zurück]
  5. http://www.ida-nrw.de/rechtsextremismus/hintergrundwissen/musik/black-metall/ [zurück]
  6. www.aryanmusic.net/e107_plugins/content/content.php?content.172 [zurück]
  7. http://de.wikipedia.org/wiki/Projekt_Schulhof-CD [zurück]
  8. www.rock-o-rama.net/catalog/product_info.php?products_id=79 [zurück]
  9. http://gleisdrei.blogsport.de/chronik [zurück]
  10. Der Teufel steht rechts – In der Black-Metal-Szene tummeln sich immer mehr rechtsextreme Bands. Von Christian Dornbusch Jungle World 43 v. 26.10.2005 [zurück]
  11. http://de.wikipedia.org/wiki/Rock_f%C3%BCr_Deutschland [zurück]
  12. www.thor-schneeberg.de.vu [zurück]

Nicht unser Bier!

oder warum „Biertras“ nicht rockt.

„Ich bin ein Skinhead und liebe meine Heimat. Ich bin ein Hooligan und lebe es mit Wort und Tat“ schallt es im Lied mit dem Titel „Erzgebirge“1 der „unpolitischen“ Band „Biertras“ aus Geyer. Weiter geht es mit „Wir hausen hier im Erzgebige und darauf sind wir stolz ….Erzgebirge mein Vaterland, denn hier bin ich daheim. Ich möchte immer bei dir sein“ Über 100 Jahre zuvor, als der Chauvinist Anton Günther seine Heimatliebe von sich gab, klang das noch so: „onnrer alten deitschen Haamit gilt der letzte Troppen Blut. Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei, weil mer Arzgebirger sei!“
Lokalpatriotismus und Deutschtümelei par excellence. Ein Beispiel weshalb sich die Oi!-Band politisch zwischen rechtsoffener Grauzone und den offenem rechten Spektrum bewegt. Bildet sich doch dadurch eine weitere Schnittstelle zu nationalistischer Ideologie. Muikalisch beschreiben sie Ihren Sound frei nach der Rechtsrockband „Endstufe“ als „Skinhead Rock & Roll“. In Anlehnung an die Bezeichnung „Ultras“ aus der Fußballszene, bezeichnen sich die Bandmitglieder als „Biertras“ – wegen des Bierkonsums – versicherten sie in einem Interview.2 Man(n) trinkt ja gern!

Einblicke

Neben diversen Auftritten im Ratskeller von Geyer spielte die Band unter anderem auf dem „Sauberg Open Air“ im nahe gelegenen Ehrenfriedersdorf. Außerdem spielten „Biertras“ am 19.12.2009 in Niesky zusammen mit „Durstige Nachbarn“ und „Querschlaeger“ unter dem Motto „Ostrock Party“. Am 13.3.2010 zusammen mit der rechtsoffenen Band „Gerbenok“ und „Krampf-Kampf“ in Zeitz und zusammen mit „Lammkotze“ am 11.06.2010 erneut in Niesky.
Gemeinsame Auftritte gab es auch immer wieder mit der „Böhse Onkelz“ Coverband „Engel in Zivil“. Zuletzt am 27.12.2010 wieder im Ratskeller Geyer. Zur „großen Jahresabschlussparty“ von „Engel in Zivil“. Auch bei der „Grosse(n) Benefiz Rock Night“ zugunsten der Kintertagesstätten in Geyer und Herold sowie des SOS Kinderdorf e.V. spielten „Biertras“ neben „Engel in Zivil“ auf.
Ihr Debut Album „Doppelgänger“ erschien unter dem Grauzone Label „KB Records“. Es ist aber auch bei kommerziellen Versänden wie dem „EMP“ erhältlich.
Wie in einem Beitrag auf Oire-Szene berichtet wurde, zeigt ein Blick in die Myspacefreundesliste, dass neben der versammelten Grauzone („Krawallbrüder“, „Gonads“, „Riot Company“, „Bakers Dozen“ (RAC), „Stahlwerkzine“, „Lammkotze“, „Suspekt“, „Unantastbar“, „Randale Records“, „Dolly D“, „Die Jungz“, „Stomper 98″, „Cotze Skinheadrock“, „Roughnecks“ u.v.m.), auch eindeutig neonazistische Bands, Läden und Einzelpersonen zufinden sind.

Schadensbegrenzung?

Nachdem Anfang März 2010 auf „Oire-Szene“ kritisch berichtet wurde, tauchte dann auf dem Flyer zur Record Release Party das Logo „Love Music Hate Fascism“ auf. Wohl eher um weiteren unbequemen Fragen aus dem Weg zu gehen. Denn auf die Kritik von „Oire-Szene“ reagierte die Band aus Geyer, inklusive einer vermeintlichen Distanzierung in totalitärer Manier so: „werdet am besteb Emo´s oder sowas… Da könnt ihr den ganzen Tag heulen!“(Fehler im Orig.)

Infokollektiv G3

  1. http://www.myspace.com/biertras/music/songs/-Demo-Erzgebirge-61253627 [zurück]
  2. http://www.youtube.com/watch?v=hGB1FXFx-G4 [zurück]

let`s get it started

Die offizielle Schließung des „Gleis 3“ Mitte 2010 hat dazu geführt, dass in dieser Lokalität vorerst keine Veranstaltungen mit rechtem oder rechtsoffenem Hintergrund zu erwarten sind. Dies gilt natürlich nicht für die gesamte Region. Die bisherige Arbeit des Infokollektiv G3 soll somit nicht beendet werden. Mit dem neuen Blog möchten wir weiterhin über Veranstaltungen, Clubs, Musikgruppen u. Ä. örtlich ungebunden berichten.

Infokollektiv G3