Dieser Artikel erschien zuerst im DER RECHTE RAND Nummer 125 Juli August 2010 Seite 19

Porträt des Clubs »Gleis 3«

Seit über einem Jahr finden immer wieder Konzerte mit Bands, meist konspirativ organisiert, aus dem »National Socialist
Black Metal«-Spektrum in Annaberg-Buchholz (Erzgebirge) statt.

Von Carsten Spielvogel

Eine »getarnte rechtsextremistische Musikveranstaltung«, hieß es in der überregionalen Presse über ein verhindertes Konzert vom 29. Mai 2010 im Club »Gleis 3« in Annaberg-Buchholz (Erzgebirge). Der Veranstalter und Inhaber Björn Eichhorn und zwei seiner FreundInnen mussten von der Polizei gewaltsam aus dem Club geholt werden. Sie leisteten Widerstand. Auch Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz wurden durch die Polizei an diesem Abend festgestellt, an dem der Auftritt der extrem rechten Black-Metal-Bands »Totenburg«, »Isolfur«, »Heldgard« und »Stolthet« vorgesehen war. Letztendlich konnte es wohl doch an einem Ausweichort im 50 km entfernten Zwickau stattfinden.

Veranstaltungen

Anfang Mai 2010 wurde auf der hauseigenen MySpace-Homepage die Schließung des Clubs verkündet, da er »finanziell nicht mehr tragbar« sei. Der letzte Gig sollte am 15. des Monats über die Bühne gehen. »Die Schließung hat nichts mit den Repressionen zu tun, die diese linken Hetzer verursacht haben«, merkte der Autor an. Zuvor wurden mindestens neun Konzerte mit internationaler Beteiligung von NSBM-Bands wie »Temnozor« oder »Sekhmet« veranstaltet. Daneben spielten auch mehrere deutsche Bands aus diesem Sub-Genre wie »Leichenzug«, »Eugenik«, »Magog« und »Permafrost«, ebenso soll auch »Absurd« aufgetreten sein. Hendrik Möbus postete dazu im MySpace-Gästebuch von »Gleis 3« einen Flyer für diese Veranstaltung. Möbus ist übrigens mit seinem Label auch in der »Friends«-Liste von »Gleis 3« zu finden. Zum diesjährigen völkischen Trauermarsch in Dresden am 13. Februar 2010 bat Björn Eichhorn um »zahlreiches Erscheinen« der »Stammgäste«. Für den Abend lud er dann zur Aftershow im »Gleis 3« ein, wo die regionale Naziband »T.H.O.R.« aus Schneeberg aufspielte. Am 26. März 2010 musste ein geplantes NSBM-Konzert wegen möglichen Platzmangels im »Gleis 3« in die größere Lokalität »Wind« ins nahe gelegene Zwönitz verlegt werden. Die OrganisatorInnen blieben dabei natürlich dieselben. Neben den auf Europatour befindlichen Bands »Taake«, »Horna« und »Angantyr« spielten auch »Ofermod«, »Vorkreist« und »Black Shore«. Einige dieser Bands, die nicht dem NSBM zugerechnet werden können, bewegen sich bewusst in der Grauzone. Um sich mit Gleichgesinnten regelmäßig zu treffen, wurde eigens der exklusive »Nationalistische(r) Stammtisch Gleis 3« gegründet. Da heißt es: »in gemütlicher Runde bei Musik & Trunk kommen uns sicherlich noch einige Ideen, wie man zukünftige Abende augestalten (sic!) könnte (Konzerte, Filme, Vorträge oder einfach nur Besäufnis).« Weiter heißt es »Deshalb bitte ich Euch, die Informationen und Daten, (…) höchst vertraulich an eure Kameraden weiter zu geben. Achtung: Die Veranstaltungsdaten werden nicht auf den offiziellen Gleis3 Internetseiten aufgeführt.« In mehreren Blogeinträgen versicherten die Betreiber, »Gleis 3« sei keinesfalls ein Club, in dem neonazistische Musikgruppen spielen würden und sie fügten hinzu, die »sogenannte Antifa« würde sich »unhaltbare Behauptungen« ausdenken. Verständlich: Wer aus wirtschaftlichen Zwecken auch nicht-rechte Musikgruppen zu Gast haben möchte, kann sich ein solches Image im Normalfall nicht erlauben. Erst am 1. Juni 2010 war der »Freien Presse« zu entnehmen, dass auch der Verfassungsschutz in dem Lokal seit 2009 wiederholt zu Auftritten »rechtsextremistischer Musikgruppen« ausmachte.

Die Veranstalter

Der Veranstalter Björn Eichhorn (21) betreibt nebenbei das Label »Mephistopheles Productions« sowie die Konzertagentur »Mephistopheles Concerts«, die jährlich das »Fireblade Force Festival« in Lichtenstein (bei Chemnitz) veranstaltet. Dort traten ebenfalls Vertreter des nationalsozialistischen Flügels der Black Metal-Szene auf. Beispielsweise traten 2007 »Nachtfalke «, ein Soloprojekt der regionalen NSBM-Band »Occulta Mors«, »Corpus Christi« und »Morrigan«, 2008 »Satanic Warmaster « und »Silva Nigra«, 2009 »Impaled Nazarene«, die für ihre homophoben Liedtexte bekannt sind, oder »Angantyr« auf. Dieses Jahr wurde das Festival ins vogtländische Neustadt auf den Bezelberg, ein ehemaliges Militärgelände, verlegt. Dass dort erneut einschlägige Bands als »Special Guest« auftreten werden, ist den Veranstaltern durchaus zuzutrauen. Stev Lippold (33) ist Mitbetreiber und ehemaliger Vorsitzender des »Hagalaz e.V.« aus dem benachbarten Elterlein. Im gleichnamigen Club fanden ebenfalls diverse Konzerte mit NSBM Bands statt. Des weiteren organisiert der Verein jährlich das » Thunders over Miriquidi«- Festival, bei dem auch »Nachtfalke« schon aufgetreten ist.

Ausblick

Sollte der Club »Gleis 3« wirklich stillgelegt werden, bleibt abzuwarten, wo eventuell eine neue Location für derartige Veranstaltungen entsteht. Denn neben dem Angebot bzw. den bestehenden Kontakten aus dem internationalen NSBM-Spektrum gibt es eine erlebnisorientierte braune »Schwarzmetaller«-Szene. Und diese hat gewiss noch lange nicht genug.